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Agenda aktuell: Unsere Aktivitäten von Januar bis Juni

Was hat sich eigentlich in den letzten Monaten so bei der LA21 Rheda-Wiedenbrück getan? Auch wenn auf unserer Website wenig los war – wir waren ganz schön fleißig!
Klimanotstand

Der Begriff Klimanotstand ist in aller Munde. Kein Wunder, erleben wir doch auch dieses Jahr wieder hautnah, was eine Veränderung des Weltklimas auch bei uns vor Ort für Konsequenzen haben kann. Spätestens wenn hiesige Landwirte um ihre Ernte bangen, ganze Buchenbestände aufgrund von Dürreschäden absterben und erste Kommunen offiziell zum Wassersparen aufrufen, kommt man doch ins Grübeln, wo das alles hinführen soll.

Daher hat die Lokale Agenda 21 Rheda-Wiedenbrück sich entschieden, mit einem eigenen Antrag zur Ausrufung des Klimanotstands in Rheda-Wiedenbrück die Bedeutung des Klimaschutzes auf lokaler Ebene zu betonen. Wir unterstützen damit ausdrücklich den bereits vorliegenden Antrag einer engagierten Privatperson und hoffen, dass damit der Grundstein für ein zukunftsorientiertes, ressourcenschonendes Handeln in unserer Stadt gelegt wird!

Nach unserem aktuellen Kenntnisstand ist der Antrag der Verwaltung zur Prüfung überstellt worden.


Schottergärten

Ein Thema, das uns besonders am Herzen liegt, sind Maßnahmen gegen die fortschreitende „Versteinerung“ von Gärten. Viele Grundstücksbesitzer folgen Ihrem nachvollziehbaren Wunsch nach Ordnung und Pflegeleichtigkeit und legen Steinwüsten statt eines lebendigen Umfelds an.

Vergleich bepflanzter Kasten und Schotterkasten

Um das Problem zu verdeutlichen, Missverständnisse auszuräumen und ratlosen Gartenbesitzern eine Anregung zu geben, haben wir uns mit einem Informationsstand am Start der Klimakampagne OWL beteiligt.

Lesen Sie hier mehr über unsere Position zu diesem Thema …


Mehr Raum für’s Fahrrad

Sowohl eine gesellige Abwechslung als auch ein wichtiger Diskussionsbeitrag: Am 14. Juni haben sich fast 100 Radler mit dem ersten Fahrrad-Korso in Rheda-Wiedenbrück bemerkbar gemacht. In moderatem Tempo ging es vom Willy-Brandt-Platz in einem großen Bogen durch die Stadtteile Rheda und Wiedenbrück.

Der Fahrrad-Korso funktioniert nach dem Critical-Mass-Prinzip: Sobald mehr als 15 Radler zusammenkommen, ist das Fahren in einem geschlossenen Verband erlaubt.

Auch den nächsten Fahrrad-Korso wird die Lokale Agenda 21 unterstützen – wir hoffen auf rege Beteiligung!

Nächster Termin: Freitag, 12. Juli 2019, 17 Uhr ab Willy-Brandt-Platz

Essbare Stadt

Auch wenn es um das Thema Essbare Stadt in letzter Zeit ruhig geworden ist – untätig waren wir nicht! Tatsächlich arbeiten wir gerade an den ersten Prototypen für Pflanzkästen und holen Partner für die Umsetzung an Bord.


Sie interessieren sich für unsere Projekte und möchten gerne mitmachen? Dann schreiben Sie uns unter kontakt(at)la21-rhwd.de oder kommen Sie zu einer unserer nächsten Sitzungen!

Coffee-to-go: Kaffeekultur zum Davonlaufen?

Die Verführung lauert an jeder Ecke: Frischer warmer Kaffee zum Mitnehmen. Gerade in der Mittagspause oder beim Warten auf die Bahn gönnen sich viele von uns gerne einen kleinen Muntermacher vom Bäcker nebenan, und auch Geschäfte abseits der Gastronomie wie beispielsweise Baumärkte bieten inzwischen Coffee-to-go als besonderen Kundenservice an. Ein kleiner Kaffee zwischendurch kann doch nicht schaden, denn so ein Papierbecher ist doch praktisch und umweltfreundlich oder?

64.000 Tonnen Holz, 22.00 Tonnen Rohöl

Leider ist die Sache dann doch nicht so einfach wie gedacht. Die Deutsche Umwelthilfe führt in einer Beispielrechnung die katastrophale Bilanz des beliebten Heißgetränks vor. Wussten Sie schon, dass in Deutschland durchschnittlich 2,8 Milliarden Einwegbecher pro Jahr verbraucht werden? Aneinandergereiht könnte man damit die Erdkugel sieben mal umrunden. Das hat natürlich Folgen: So werden jedes Jahr 43.000 Bäume für die Herstellung von Pappbechern gefällt. Altpapier eignet sich hier leider nicht als Rohstoff: Beim Recyclingprozess verlieren die Papierfasern an Länge und damit an Stabilität; außerdem ist Altpapier oft mit giftigen Druckfarben belastet und so für den Kontakt mit Lebensmitteln ungeeignet.

Ein typischer Coffee-to-go-Becher besteht ja auch nicht nur aus Papier. Um Flüssigkeiten halten zu können, ist er zusätzlich mit einer Beschichtung aus Polypropylen versehen. Dazu kommt in den meisten Fällen noch ein Deckel aus Polystyrol, damit beim Tragen nichts verschüttet wird. Durch diesen Kunststoffanteil kommen zum Rohstoffverbrauch jährlich 22.000 Tonnen Rohöl hinzu. Zum Vergleich: Die größte Raffinerie Deutschlands in Köln könnte die gleiche Menge Rohöl zu etwa 2.887,5 Tonnen Ottokraftstoff (etwa 1.369,86 Liter) verarbeiten. Ein sparsames Auto könnte damit bis zu 27.397 Kilometer weit fahren.

„Einer Schätzung des UN-Umweltprogramms UNEP zufolge verbrauchen die reichsten Länder der Welt schon heute rund zehnmal so viel Material wie die ärmsten – und etwa doppelt so viel wie der globale Durchschnitt.“
Quelle

Die restliche Bilanz: Neben Papier und Rohöl werden 1,5 Milliarden Liter Wasser sowie 320 Millionen kWh Strom benötigt. Das entspricht dem durchschnittlichen Jahresverbrauch von 32.000 Bundesbürgern bzw. 100.000 Musterhaushalten. Neben den Kaffeebechern werden so auch 111.000 Tonnen CO2 produziert. Und wenn der Kaffee dann ausgetrunken ist, stellt sich die Frage: Wohin mit den 40.000 Tonnen Abfall?

Biologisch abbaubar? Leider Fehlanzeige.

Entgegen der allgemeinen Auffassung sind die beliebten Pappbecher nicht gerade einfach wiederzuverwerten. Die Kunststoffbeschichtung auf der Innenseite lässt sich nur schwer von der Papierschicht lösen. Selbst wenn die Becher korrekt im Gelben Sack entsorgt werden, können sie in den Papierrecyclinganlagen oft nicht verarbeitet werden. Der größte Anteil der Kaffeebecher wird also verbrannt.

Wird der Becher, wie es leider auch häufig passiert, einfach in die Gegend geworfen, haben auch nur passionierte Müllsammler etwas davon: Der Papieranteil wird nur langsam abgebaut, während die Kunststoffanteile mit der Zeit zu kleinsten Partikeln zerfallen und in den Boden gespült werden. Dank des natürlichen Kreislaufs essen wir dann möglicherweise irgendwann unseren eigenen Plastikmüll.

Der beste Müll ist der, der gar nicht entsteht.

Es gibt Alternativen zum Einwegbecher, und die meisten Experten sind sich einig, dass sie der Wegwerfware weit überlegen sind. Mehrwegbecher, ob aus Keramik, Metall oder doch aus Kunststoff, sind mindestens 500 mal wiederverwendbar und sparen so trotz ihrer aufwändigen Produktion Wasser, Energie und vor allem wichtige Rohstoffe. Laut einer niederländischen Studie hat ein Becher, der fünf mal ohne Spülvorgang wiederbefüllt wurde, seinen Produktionsaufwand schon wieder relativiert.

Viele Städte wie beispielsweise Freiburg, Hamburg, Berlin und Rosenheim haben bereits reagiert; dort gibt es sowohl öffentlich als auch privatwirtschaftlich initiierte Mehrwegsysteme mit Pfandbechern. Andere Kaffeeanbieter gewähren einen kleinen Preisnachlass, wenn ein Kunde seinen eigenen Becher mitbringt.

Oft sind Gastronomen verunsichert, was Hygienefragen angeht. Hier gibt es Entwarnung: In den geltenden Hygieneverordnungen gibt es zu diesem Thema keinerlei Vorgaben; eine Wiederbefüllung mitgebrachter Becher ist also grundsätzlich erlaubt. Es wird aber die Einhaltung gewisser Vorsichtsmaßnahmen empfohlen. So sollte beispielsweise die Kaffeemaschine passend eingestellt sein, dass der Ausguss den fremden Becher nicht berührt. Im Idealfall kann ein eigener Bereich für den Ausschank eingerichtet werden. Grob verschmutzte Becher müssen nicht angenommen werden oder sollten kurz mit Hilfe von Wasserdampf o.ä. gereinigt werden.

Global denken, lokal genießen

Und warum muss eigentlich immer alles „To-go“ sein? Schließlich reden momentan auch alle von der sogenannten Entschleunigung. Wer schafft es überhaupt, im Gehen zu trinken ohne sich mit heißer Flüssigkeit zu verbrühen? Warum nutzen wir nicht eines der vielen wunderbaren Cafés in Rheda-Wiedenbrück und genießen unser Lieblingsgetränk im Sitzen aus echten Porzellantassen? Einfach mal eine richtige Pause machen; das wäre doch eine Rückbesinnung auf wahre Kaffeekultur, die wir uns gerne schmecken lassen.

Mehr Informationen von der Deutschen Umwelthilfe:

Kampagne „Becherheld“
Hygiene-Leitfaden

Entsteint Euch!

Viele Grundstücksbesitzer folgen Ihrem nachvollziehbaren Wunsch nach Ordnung und Pflegeleichtigkeit und legen Steinwüsten statt eines lebendigen und vielfältigen Umfelds an.

Man könnte jetzt argumentieren, dass Gärten Privatsache sind und jeder sich so viel Schotter vor sein Haus schütten darf wie er möchte. Doch tatsächlich können Steinwüsten zu einem großen Problem werden – sowohl für ihre Besitzer als auch für die Allgemeinheit.

Steinwüsten nehmen Tieren den Lebensraum

Weniger Plagegeister sind gut für uns – könnte man meinen. Tatsächlich hat der starke Rückgang vieler Insektenarten aber weitreichende Folgen.

Früher oder später setzt sich das Artensterben bis in unsere eigene Nahrungskette fort – in China müssen Obstbäume schon per Hand bestäubt werden!

Alles andere als pflegeleicht
Versuchen Sie das mal „sauber“ zu halten!

Niemand kann verhindern, dass sich Staub, Erde, Blätter, Samen, Tierkot usw. zwischen den Steinen sammeln. Nach etwa einem Jahr lässt sich meistens der erste ungeplante Bewuchs feststellen.

Die Steine können Algen und Moos ansetzen und müssen dann ausgetauscht oder aufwändig gereinigt werden.

Pflanzenvernichtungsmittel (z.B. Roundup, Permaclean) sind hochgradig umwelt- und gesundheitsschädlich … und ihr Einsatz ist auf versiegelten und teilversiegelten Flächen verboten! Bei einem Verstoß drohen Bußgelder.

Wertvoller Boden wird unbrauchbar gemacht

Besonders bei Unterlage eines Unkrautvlieses wird der Boden zu einem großen Teil versiegelt. Bei den zukünftig zu erwartenden Starkregenfällen kann das Wasser vom Boden kaum aufgenommen werden. Es droht dann eine Überlastung der Abwasserkanäle.

Für versiegelte oder teilversiegelte Flächen kommen auf Grundstücksbesitzer zusätzliche Abwassergebühren zu.

Tropische Nächte in Rheda-Wiedenbrück …

Steinflächen und ihr näheres Umfeld heizen sich im Sommer stark auf. Böden und Mauern speichern die Hitze über mehrere Tage. Selbst das abendliche Lüften bringt keine Erleichterung mehr: Während Pflanzen durch die Verdunstung von Wasser für Abkühlung sorgen würden, schicken Schotter & Co. stattdessen einen heißen Luftzug durchs Haus.

Thermografieaufnahme eines Schotterbeets zeigt 62 Grad
Heiße Zeiten in Rheda-Wiedenbrück: Innerhalb von zwei Tagen hat sich dieses Schotterbeet auf 62,2 °C aufgeheizt!

Zur Verdeutlichung des Problems haben wir eine Temperaturmessung auf Rasen und Schotter durchgeführt. Die Ergebnisse waren erschreckend – sehen Sie selbst:

Thermografie-Aufnahmen Schotterbeet ansehen

Entsteint die Gärten!

Lassen Sie sich auch mal von der Natur überraschen und lösen Sie sich von dem Ideal eines perfekt aufgeräumten und akkurat gewinkelten Gartens. Gärten können stattdessen üppige, wertvolle Lebensräume für Mensch, Tier und Pflanzen sein. Ein Hochbeet mit blühenden Küchenkräutern, eine bunte Blumenwiese oder eine Wildstaudenrabatte bereiten kaum mehr Pflegeaufwand als eine Steinwüste – aber doppelt so viel Freude!

Zum Herunterladen und Ausdrucken: Unser Flyer zum Thema